DINZ Universitätsklinikum Dresden. Alt und Neu im Einklang.

Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ist mit dem Diagnostisch Internistisch Neurologischen Zentrum 2012 ein leistungsfähiger Klinikkomplex entstanden. Zwei Neubauten und ein umfassend sanierter Altbau vereinen heute die zuvor auf zehn Gebäude verteilten Bereiche der Inneren Medizin, Diagnostik und Neurologie – gebündelt in einer klaren baulichen Struktur für effiziente medizinische Prozesse.

Der Entwurf

Unser Architekturteam konnte den offenen Realisierungswettbewerb mit einem durchdachten Konzept gewinnen, das die besondere städtebauliche Lage des Geländes sowie die angrenzende Parklandschaft gezielt nutzt. Zentraler Bestandteil war eine Magistrale, die entlang des Parks verläuft und die drei klar gegliederten Baukörper miteinander verbindet. Dieses räumliche Rückgrat schafft nicht nur eine übersichtliche Wegeführung, sondern bildet auch die Grundlage für ein funktionales und auf das Raumprogramm abgestimmtes Gebäudegefüge.

Die Baukörper sind in ihrer Form als Kammstruktur konzipiert: Während sich die Pflegegeschosse im 2. bis 4. Obergeschoss in drei Einheiten gliedern, zonieren Lichthöfe im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche und sorgen für optimale Belichtung.

Unsere Aufgabe war es, diesen anspruchsvollen Entwurf als Neubau sowie durch den Umbau eines denkmalgeschützten Bestandsgebäudes mit historischer Fassade baulich umzusetzen und dabei die komplexen funktionalen und denkmalpflegerischen Anforderungen des Klinikbetriebs zu erfüllen.

Erneuerung durch Entwicklung

Eine der zentralen Herausforderungen war die Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus, der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde und danach provisorisch wiederhergestellt war. Zahlreiche statische Besonderheiten konnten erst während der Bauphase vollständig erfasst und berücksichtigt werden. Zudem wurde im Projektverlauf eine zusätzliche Urologie mit OP-Bereich gewünscht. Dank der modularen Struktur unserer Planung konnten wir diese Erweiterung problemlos integrieren, ohne die übergeordnete Entwurfslogik zu beeinträchtigen.

Auch technische Innovationen spielten eine wichtige Rolle: In den Pflegegeschossen sorgen eine Baukernaktivierung kombiniert mit außenliegenden windunempfindlichen Schiebeelementen und einem niedrigen Energiedurchlassgrad der Verglasung für hohe Temperaturstabilität. Damit wird der Komfort für die Nutzenden gewährleistet und gleichzeitig ein zukunftsfähiger Ansatz für Energieeffizienz umgesetzt.

Die Gestaltung des DINZ folgt einer klaren architektonischen Haltung: Die Räume sollen nicht nur funktional sein, sondern Orientierung und Ruhe vermitteln. Für die Innenraumgestaltung wählten wir eine ehrliche, langlebige Materialität mit Naturstein, Sichtbeton und Echtholzfurnieren. Ein abgestuftes Farbkonzept unterstützt die Raumstruktur und stärkt die unterschiedlichen Nutzungen. So entsteht ein differenziertes Raumgefüge, das den Alltag im Klinikbetrieb auf feine Weise unterstützt.

Der Entwurf folgt einem durchgängigen Prinzip: Ein kompakter Baukörper mit klarer Organisation, gegliedert in ambulante Bereiche im Sockelgeschoss, Pflegeebenen in den Regelgeschossen und Verwaltung im obersten Geschoss. Ein umlaufendes weißes Band fasst die Funktionsbereiche zusammen und verleiht dem Gebäude architektonische Klarheit. Die Fassade kombiniert Bereiche mit raumhohen Einzelverglasungen zwischen vor- und zurückspringenden Klinkermauerwerkspfeilern und horizontal gegliederte Fensterbänder mit vertikalen Verschattungselementen – ein präzises Spiel aus Ordnung und Lebendigkeit.

Im Inneren sorgen gezielte Lichtführung, helle Materialien und großzügige Blickbeziehungen für eine angenehme Atmosphäre. Die lichte Eingangshalle mit Freitreppe, freundliche Mittelzonen, helle OP-Bereiche und wohnlich gestaltete Patientenzimmer machen die Klinik zu einem Ort, der sowohl technische Exzellenz als auch Menschlichkeit ausstrahlt. Helle Linoleumböden, Einbaumöbel aus Holzwerkstoffen, farblich abgestimmte Oberflächen und Vormauerwerk aus Wittmunder Torfbrand-Klinker in variantenreichen Verbandarten sorgen für Wärme und Materialehrlichkeit – ohne gestalterische Beliebigkeit.

Moderne Medizin im historischen Kontext

Mit dem DINZ ist ein zukunftsfähiger Klinikstandort entstanden, der funktionale Anforderungen mit baulicher Qualität verbindet. Auf rund 23.000 Quadratmetern Nutzfläche sind heute 419 Betten, fünf OP-Säle, eine interdisziplinäre Notaufnahme sowie Lehr- und Forschungsbereiche untergebracht. Neubauten und denkmalgeschützter Bestand greifen nahtlos ineinander.

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Frank Wachholz
Geschäftsführung

Beschreibung

Krankenhaus | Fachzentrum universitäre Maximalversorgung bestehend aus Neubau für Ambulanzen und Notfallversorgung, Endoskopie, Funktions- und radiologische Diagnostik, Urologie-OP, Tagesklinik sowie Stationen der Aufnahme-, Intensiv-, Intermediate Care- und Allgemeinpflege inkl. Neuerrichtung einer Netzersatzanlage; Umbau Bestandsgebäude mit denkmalgeschützter Fassade für Ambulanzen, Schlaflabor, Dialyse und Lipidapherese, Allgemeinpflegestationen, Präsenzbibliothek, Hörsaal sowie S2-Forschungslabore mit Anbindung an den Neubau.

Kenndaten

NUF 23.160 m²
5 OP-Säle
419 Betten, davon 24 Intensivpflege

 

Kosten
ca. 151,7 Mio. €

Leistungen

Architektur | Wettbewerb (1. Preis), Objektplanung Gebäude, Ausführungsplanung für eine funktionelle Leistungsbeschreibung, Fertigstellung Ausführungsplanung, Vorbereitung und Mitwirkung bei Vergaben sowie Objektüberwachung